Spiele zur Auflockerung und Koordinationsschulung

Bereits etwa drei Minuten zur Auflockerung können den Erregungsnerv anregen und aktivierend wirken. Koordinationsschulung muss im Kindergartenalter ein wesentliches Ziel sein, nicht nur der regelmäßigen Be­wegungsstunden, sondern sollte durch Spielformen im Gruppenraum sinnvoll ergänzt werden.

Spielformen zur Auflockerung und Koordinationsschulung

Spiel- und Bewegungs-formenKleine KunststückeBewegungs-
geschichten
Rhythmisch-musi­kalische Bewe­gungsspieleDarstellendes Spiel
Müller, Chr. (2021). Bewegte Kita. Baden-Baden: Academia, S. 86-121.

Bewegungsideen

Spiel- und Bewegungsformen
Die Füße spielen Ball
  • Materialien: Zeitungen
  • Spielidee: Mit den Füßen (Schuhe ausziehen) wird zuerst eine Zeitung zusammen und wieder auseinander gefaltet. Dann wird das Zeitungsblatt mit den Füßen zu-sammengeknüllt und dieser Ball einem Partner zugespielt. Es kann auch versucht werden, mit dem Ball in ein Ziel (z. B. Eimer) zu treffen.
  • Varianten:
    • Abstände verändern
    • bei einem Treffer mit den Füßen Beifall klatschen
    • den Knüllpapierball und auch andere kleine Gegenstände (Klammern, Nüsse u. a.) zu den Mitspielern weitergeben
    • mit einem Stift, der zwischen die Zehen geklemmt wird, auf die Zeitung einen Ball oder anderen Gegenstand malen
    • die Zeitung mit den Füßen greifen und sich zuwinken
Bleib in der Luft!
  • Materialien: pro Kind ein Luftballon
  • Spielidee: Ein Luftballon soll möglichst lange in der Luft gehalten werden, indem er mit den Fingern, der Hand, dem Unterarm, dem Ellenbogen, der Nase, dem Kopf, dem Knie oder dem Fuß gespielt wird.
  • Varianten:
    • zwischendurch in die Hocke gehen, sich setzen, eine Drehung ausführen
    • den Luftballon so lange wie möglich in der Luft halten, ein Partner macht (ohne Luftballon) alle Übungen des Partners nach
    • mit einem Partner möglichst viele Zuspiele schaffen
    • s. o. im Sitzen über ein zwischen zwei Stühlen gespanntes Seil spielen
    • in einer Kleingruppe (drei bis fünf Kinder) mehrere Luftballons in der Luft halten
    • den Luftballon an eine Wand werfen, sich drehen und ihn wieder fangen
Zielwerfen
  • Materialien: Pappdeckel, Korken, Wollknäule, Knüllpapierball
  • Spielidee: Es wird mit unterschiedlichen Materialien versucht Ziele zu treffen.
  • Varianten:
    • Ziele in Überkopfhöhe (an der Wand aufgemalte Kreise u. a.)
    • Ziele am Boden (Eimer, Korb, Kegel, Karton, senkrecht gehaltene Reifen)
    • auch mit den Füßen schießen
    • Ziele in Kopfhöhe (aufgehangener Reifen)
    • Abstände zum Ziel verändern
    • unterschiedliche Wurfgeräte (s. o.)
    • im Freien auch mit Naturmaterialien (Tannenzapfen, Eicheln, Kastanien)
    • beidseitig üben
Parcours
  • Materialien: Sitzmöbel des Gruppenraumes u. a.
  • Spielidee: Die Kinder bauen aus Stühlen, Tischen, Hockern u. a. im Gruppenraum einen Parcours. Aufgabenstellung ist, diesen so aufzustellen, dass er ohne auf den Boden treten zu müssen, überwunden werden kann.
  • Varianten:
    • im Sportraum
    • in Verbindung mit Geschichte aus „Pippi Langstrumpf“
Kleine Kunststücke
Seiltänzer
  • Materialien: aufgeklebte/aufgemalte Linie
  • Spielidee: Die Kinder stellen sich mit einem Fuß möglichst lange auf eine Linie, ohne mit dem zweiten Fuß aufzutreten.
  • Varianten:
    • davor eine Drehung ausführen
    • Zusatzaufgaben mit den Armen, z. B. kreisen
    • mit dem anderen Bein Figuren in die Luft zeichnen
    • Ballenstand
    • auf der Linie balancieren, dabei Arme in Seit- oder Hochhalte, auf den Rücken
    • rückwärts gehen
Balancierstrecke
  • Materialien: unterschiedliche Materialien, z. B. zusammengerollte Decke, Kissen, Schuhe, Packungen mit Tempotaschentüchern, Telefonbuch, Pappdeckel, zerschnittene Tennisbälle
  • Spielidee: Kleingruppen bauen sich Balancierstrecken aus Materialien, die sich im Zimmer befinden, zusammen. Sie versuchen, die Strecke ohne Boden-berührung zu überwinden, und helfen sich bei Bedarf.
  • Varianten:
    • ohne Schuhe
    • evtl. rückwärts gehen
    • anderen Kleingruppen die Ideen zeigen und mit ihnen üben
Hampelmann
  • Materialien: Spielzeug-Hampelmann
  • Spielidee: Nach der Beobachtung der Funktionsweise eines Hampelmannes versuchen die Kinder diesen nachzuahmen. Erfahrungsgemäß können Schwierigkeiten auftreten, denn die Bewegungen sind koordinativ anspruchsvoll. Dann könnten erst einmal Teilbewegungen (Arme, Beine) getrennt geübt werden, um anschließend zur Gesamtbewegung zu kommen.
  • Varianten:
    • Tempo variieren
    • Ein Partner zieht am Spielzeug – Hampelmann, der andere führt die Be­wegungen im gleichen Tempo aus.
    • In einer Kleingruppe im gleichen Tempo die Hampelmänner turnen.
Bewegungsgeschichten
Auf dem Spielplatz
  • Spielidee: Ein realer oder fiktiver Besuch eines Spielplatzes wird erzählt und in ent-sprechende Bewegungen umgesetzt. Folgende Situationen könnten einge-baut werden: Über den Spielplatz laufen, auf einem Balken balancieren, im Sand spielen oder auch klettern, schaukeln, rutschen u. a.
  • Varianten:
    • von einer Bewegungsstunde berichten
    • eine Geschichte von einem anderen Ereignis mit konkretem Bezug zu den Kindern erzählen (Spaziergang, Spielfest u. a.)
Tagesablauf
GeschichteBewegungen
Am frühen Morgen steht ihr auf und müsst euch erst einmal ganz doll strecken.Strecken
Oh, ihr müsst euch beeilen, der Kindergarten ruft.Schnell laufen und rufen
Schnell müssen die Sachen angezogen und die Schuhe gebunden werden.Anziehen und bücken
Gemeinsam mit den Kindern wird überlegt, wie der Tagesablauf weitergehen könnte.
Rhythmisch-musikalische Bewegungsspiele
Klatschspiel
  • Spielidee: In einem durch die Erzieherin vorgegebenen Grundschlag wird von 1 bis 4 gezählt und dazu 2 x in die Hände (bei 1, 2), dann mit der rechten Hand auf die linke Schulter (bei 3) sowie mit der linken Hand auf die rechte Schulter (bei 4) geklatscht.
  • Varianten:
    • Tempo variieren
    • Bewegungsformen verändern (auf Knie, Oberschenkel u. a. klatschen)
Sich rhythmisch bewegen
  • Materialien: Rhythmusinstrument
  • Spielidee: Die Erzieherin gibt einen Grundschlag/Rhythmus vor und eine Bewegungs-form, die von den Kindern entsprechend rhythmisch ausgeführt wird, z. B. Hüpfen am Ort, Schwingen der Arme.
  • Varianten:
    • Bewegung in der Fortbewegung …
    • Tempo variieren
    • Rhythmusvorgaben verändern (Stimme, Klatschen/Schnipsen, mit Rhyth­musinstrumenten oder Alltagsgegenständen)
    • Bewegungsumfang groß oder klein ausführen
    • Grundschlag betonen
Stuhltanz
  • Materialien: Musiken (von Kindern auf Tonträgern mitgebracht)
  • Spielidee: Die Kinder tanzen nach einer flotten Musik um, über, mit ihrem Stuhl. Ein „Vortänzer“ zeigt entsprechende Bewegungen, z. B. mit den Füßen wippen, um den Stuhl sich drehen, an der Lehne festhalten und Beine abwechseln schwingen.
  • Varianten:
    • andere Musik
Mein Lieblingslied
  • Materialien: Lieder (von Kindern auf Tonträgern mitgebracht)
  • Spielidee: Erst hören die Kinder sich ein Lied einmal an. Während weiterer Einspiele können sich alle nach eigenen Ideen entsprechend der Musik bewegen.
  • Varianten:
    • andere Musik
Tanz der Luftschlangen
  • Spielidee: Mit Luftschlangen bewegen sich die Kinder frei nach Musik und schwingen diese durch den Raum.
  • Varianten:
    • Krepp-Papier-Bänder oder Geschenkbänder oder Tücher
Darstellendes Spiel
Zauberstab
  • Materialien: Zauberstab, z. B. Papprolle, Zeitungspapierrolle
  • Spielidee: Die Erzieherin „verzaubert“ die Kinder in Spielgeräte oder andere Gegen-stände. Dann hüpfen oder rollen die Kinder z. B. wie ein Ball.
  • Varianten:
    • Kreisel (sich drehen)
    • Hampelmann (Grätschsprung mit Handklatschen über dem Kopf, Schluss­sprung mit Seitsenken der Arme)
    • Spielzeugauto (vorwärts und rückwärts fahren)
    • Kinder suchen selbst nach Gegenständen und übernehmen die Rolle des Zauberers.
Sportschau
  • Spielidee: Sportler werden in ihren typischen Bewegungen pantomimisch nachgeahmt, z. B. Fußballer beim Elf-Meter-Schuss
  • Varianten:
    • weitere Sportler: Boxer, Gewichtheber, Schwimmer, Skiläufer, Radfahrer, Autorennfahrer, Turner
    • paarweise Sportarten darstellen, z. B. Tennis, Paddeln, Rudern, Fußball, Handball, Volleyball
    • Darstellung mit Geräten im Sportraum erweitern, z. B. durch Teppich­flie­­sen (Bobfahrer, Eiskunstläufer, Skiläufer), Sprossenwand (Kletterer) u. a.
    • Bezüge zum aktuellen Sport im Fernsehen oder im Wohnort herstellen
Im Zirkus sind die Artisten und Tiere weg
  • Materialien: evtl. Masken, Zirkusutensilien, Bauelemente für Manege
  • Spielidee: Die Kinder „gehen“ in den Zirkus. Aber es sind gar keine Artisten und Tiere da. Die Kinder helfen und springen sofort ein. Damit die Vorstellung nicht ausfallen muss, stellen sie Akteure und Tiere dar. Schnell bilden sie einen Kreis als Manege.
  • Varianten:
    • aus dem Zylinder des Zirkusdirektors eine Karte ziehen, auf der ein Akteur oder Tier abgebildet ist und Bewegung entsprechend darstellen – die anderen erraten
    • kann auch in einzelnen Teilen als Zwischenszene gespielt werden
    • auch als reine pantomimische Darstellung geeignet oder als Projekt
    • (Posmyk, 2008)