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Spielformen zur Auflockerung und Koordinationsschulung
Bereits etwa 3 Minuten zur Auflockerung können den Erregungsnerv (Sympathikus) anregen und aktivierend wirken. Die nachfolgend vorgeschlagenen Übungen eignen sich gleichzeitig sehr gut zur Herausbildung von Sozial- und Selbstkompetenz, zur Haltungsschulung und zur Ausprägung koordinativer Fähigkeiten, besonders der Gleichgewichtsfähigkeit, der Orientierungsfähigkeit, der kinästhetischen Differenzierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit und der Rhythmusfähigkeit.
Koordinationsschulung ist ein wesentliches Ziel des Sportunterrichts und kann durch Spielformen im Hort sinnvoll ergänzt werden.
Den nachfolgenden Abschnitten liegt folgende Struktur zugrunde:
Spielformen zur Auflockerung und Koordinationsschulung
| Koordinations-spiele | Spiele miteinander | Bewegungs- geschichten | Rhythmisch-musikalische Bewegungsspiele | Darstellendes Spiel |
Bewegungsideen
Koordinationsspiele
Das Gleichgewicht halten
- Materialien: Bälle u. a.
- Spielidee: Möglichst lange sollen die Kinder bei folgenden Aufgaben das Gleichgewicht halten:
- im Einbeinstand stehen
- auf einer Linie stehen bzw. vor- und rückwärts balancieren
- eine selbst ausgedacht und aufgebaute Balancierstrecke überwinden
- Varianten:
- beim Balancieren Arme vor dem Körper verschränken
- Geräte transportieren (Ball u. a.)
- Zusatzaufgaben mit den Armen ausführen
- Augen schließen
- zuvor drei Drehungen ausführen
Zielwerfen
- Materialien: Pappdeckel, Korken, Wollknäuel, Knüllpapierball, Klammern
- Spielidee: Es wird mit unterschiedlichen Materialien versucht Ziele zu treffen.
- Varianten:
- Ziele in Überkopfhöhe (an der Wand aufgemalte Kreise u. a.)
- Ziele am Boden (Eimer, Korb, Kegel, Karton, senkrecht gehaltene Reifen)
- auch mit den Füßen schießen
- Ziele in Kopfhöhe (aufgehangener Reifen)
- Abstände zum Ziel verändern
- unterschiedliche Wurfgeräte (s. o.)
- im Freien auch mit Naturmaterialien (Tannenzapfen, Eicheln, Kastanien)
- beidseitig üben
- auf eine am Boden liegende Zeitung treffen (nach jedem gelungenen Versuch die Zeitung einmal zusammenfalten)
- Werfen mit beschränktem Sichtkontakt zum Ziel (Papprolle als „Fernglas“, Bettlaken zwischen Werfer und Ziel)
Jonglieren mit Hackysack
- Materialien: Hackysack/Kick-Ball (kleiner mit Körnern gefüllter Stoffball), Bohnensäckchen o. Ä.
- Spielidee: Der Hackysack wird mit den Füßen oder Beinen gespielt und soll möglichst nicht auf dem Boden aufkommen. (Zu Beginn kann auch erst einmal mit den Händen, Handflächen und -rücken gespielt werden.)
- Varianten:
- allein, dabei auch Tricks zeigen
- paarweise oder als Gruppe im Kreis
- zur Musik
- Wer schafft die meisten Kontakte in einer Minute? (Hackysack nur unterhalb der Hüfte spielen)
- Jonglieren mit Federfußball/Indiacaball
Mit Ball und Schläger
- Materialien: unterschiedliche Bälle und Schläger (Tennis, Tischtennis, Federball u. a.)
- Spielidee: Paarweise spielen sich die Kinder mit Schlägern einen Ball zu, der möglichst nicht den Boden berühren soll. Dann wechseln sie Ball und Schläger. Mit welchen Geräten gelingt die Aufgabe am besten?
- Varianten:
- Ballkontakte ohne Bodenberührung zählen
- mit der anderen Hand spielen
- Abstände verändern
- Bälle mit der Hand schlagen
- Ball schräg an eine Wand spielen, von da zum Partner
Elefantenhockey
- Materialien: Luftballons, Schläger aus Rohrisolierung (etwa 1 bis 1,5 m) oder Papprollen
- Spielidee: Die Kinder bauen sich zwei Tore (aus Stühlen, Bausteinen o. a.). Ein aufgepusteter Luftballon dient als Ball. Die Schläger stellen die Rohrisolierungen dar. Zwei Mannschaften versuchen den Luft-ballon ins gegnerische Tor zu befördern.
- Varianten:
- Hindernisse aufbauen und „Minigolf für Elefanten“ spielen
Fußballtennis
- Materialien: Spielfeld ca. 10 m x 12 m, hüfthoch angebrachtes Tennisnetz/Leine (evtl. mit Zeitungen), Softball, aufblasbarer Wasserball, Fußball u. a.
- Spielidee: Das Spiel wird nach der Idee des Tennis ausgetragen, nur wird der Ball mit den Füßen gespielt. Der Ball kann zwischen drei Spielern einer Mannschaft zugespielt werden, maximal mit je einem Bodenkontakt. Jonglieren (ohne Bodenkontakt) durch einen Spieler ist erlaubt. Als Fehler zählen mehr als die drei Zuspiele, mehr als die eine Bodenberührung zwischen den Zuspielen, Netz-/Leinenberührung durch Spieler oder Ball, Ausschlagen des Balles.
“Parkour”
- Materialien: Kleingeräte (s. u.)
- Spielidee: In Anlehnung an die Trendsportart „Le Parkour“ suchen sich die Kinder („Traceure“) im Außengelände Strecken aus, bei denen kleine Hindernisse übersprungen oder überklettert, auf Einfassungen balanciert, Bäume u. a. umlaufen werden, es treppauf und treppab geht usw.
- Varianten:
- als Schatten einem Partner nachlaufen
- Geräte (Bälle, Luftballons u. a.) transportiert oder Tennisbälle, Bohnensäckchen o. Ä auf Schlägern balanciert werden
- die Strecke möglichst schnell überwinden
Nudelfechten
- Materialien: Schwimmnudeln (evtl. ausrangierte aus Schwimmhallen)
- Spielidee: Beide Partner haben jeweils eine (verkürzte) Schwimmnudel. Damit führen sie einen Fechtkampf aus. Kopftreffer sind grundsätzlich nicht erlaubt!
- Varianten:
- Treffer auf abgesprochenen Körperteilen zählen
- Trefferanzahl in einer Minute ermitteln
- auf einem Steg (Langbank, Begrenzungssteine o. Ä.) fechten
Spiele miteinander
Wer gehört zu wem?
- Materialien: Springseile, die mittig um einen Ständer gelegt und vor dem Spiel völlig unregelmäßig miteinander verflochten werden
- Spielidee: Jeder Mitspieler (gerade Anzahl) knotet sich zunächst das Ende eines Seiles um sein Fußgelenk. Ziel des Spieles ist herauszufinden, wer zu wem gehört. Dazu müssen die Mitspieler sich abstimmen, wer, wann, in welcher Richtung zu gehen hat, damit ein Stückchen des Seiles frei wird. (Petzold, 2008, S. 18)
Auf der Brücke
- Materialien: Klebestreifen, um Brücke zu markieren
- Spielidee: Von beiden Seiten kommen die Partner zur Mitte. Sie müssen versuchen, aneinander vorbei zu kommen, ohne „ins Wasser zu fallen“.
- Varianten:
- auf einer Langbank
Gordischer Knoten
- Spielidee: Die Gruppe stellt sich im Kreis auf. Jeder schließt die Augen, streckt seine Hände zur Mitte und ergreift nun fest andere Hände. Nach dem Öffnen der Augen wird versucht, den „Arme-Knoten“ so lange zu entwirren, bis alle wieder in einem Kreis stehen. (Flügelmann & Tembeck, 1979, S. 69)
- als Wettbewerb
Schoßsitzen
- Spielidee: Die Schüler stellen sich in Reihe und bilden einen Kreis. Die Abstände zwischen den Schülern sind relativ gering (halbe Armlänge). Auf Signal geht jeder Schüler leicht in die Hocke und setzt sich vorsichtig auf die Oberschenkel des Hintermannes. Alle Schüler halten für einen gewissen Moment diese Spannung, sodass eine Sitzreihe entsteht. Danach kann eigentlich jeder ganz entspannt sitzen.
- Varianten:
- die Sitzenden versuchen, sich langsam im Kreis fortzubewegen. Dies führt in den meisten Fällen zur freudvollen Auflösung der sitzenden Reihe. (Flügelmann & Tembeck, 1979, S. 169)
Bewegungsgeschichten
Über Bewegungsgeschichten
Unter Bewegungsgeschichten verstehen wir kurze (ca. 3 Minuten) mündlich vorgetragene Erzählungen von realen oder fiktiven Ereignissen. Diese sollen das Interesse der Kinder ansprechen, unterhalten und vor allem zu Teil- möglichst zu Ganzkörperbewegungen animieren. Den Inhalt der Geschichten drücken die Kinder über selbst ausgedachte, spontane oder gemeinsam abgesprochene Bewegungen aus.
Luftballongeschichte
- Materialien: Luftballons
- Spielidee: Bei Sonnenschein erkunden die Kinder wie und wo Schatten entstehen, wie sich diese verändern. Sie spüren den Temperaturunterschied zwischen Sonne und Schatten, schätzen diesen und vergleichen mit dem Messwert. Sie lassen ihren eigenen Schatten tanzen und laufen dem Schatten des Partners nach.
- Varianten:
- Die Kinder sitzen mit dem Rücken zur Kreismitte.
- Als Materialien eignen sich viele weitere Gegenstände in ausreichender Anzahl (z. B. Naturmaterialien).
Auf dem Spielplatz
- Spielidee: Ein realer oder fiktiver Besuch eines Spielplatzes wird erzählt und in entsprechende Bewegungen umgesetzt. Folgende Situationen könnten eingebaut werden: Über den Spielplatz laufen, auf einem Balken balancieren, im Sand spielen oder auch klettern, schaukeln, rutschen u. a.
- Varianten:
- von einer Bewegungs- oder Sportstunde berichten
- eine Geschichte von einem anderen Ereignis mit konkretem Bezug zu den Kindern erzählen (Erlebniswanderung, Spielfest, Hortsporttag u. a.)
Rhythmisch-musikalische Bewegungsspiele
Wer hat den Keks …
- Spielidee: Mit rhythmischen Klatschbewegungen wird folgender Vers gesprochen:
- „Wer hat den Keks aus der Dose geklaut? (Namen einsetzen) … hat den Keks aus der Dose geklaut!“ Antwort: „Was? Ich? Ich nicht!“ – von vorn
Rhythmus klopfen
- „Materialien: Karten mit Liedtiteln
- Spielidee: Fünf bereits bekannte Lieder stehen auf den Karten. Es finden sich Schüler paarweise zusammen, wobei abwechselnd der Rhythmus eines der fünf Lieder auf den Rücken des Partners geklopft wird. Hat der Partner das Lied erkannt, wird gewechselt.
- Variante:
- Rhythmus in einer Dreier- oder Vierergruppe weitergeben (ähnlich „Stille Post“)
Bewegungslieder
- Möglichst oft sollten Lieder gemeinsam gesungen und bewegt gestaltet werden. Dabei kann ein Kind Bewegungen vormachen und die anderen imitieren diese, oder jedes Kind lässt seine individuellen Ideen einfließen. Die Aufteilung in Gruppen oder die Unterstützung mit Rhythmusinstrumenten sind weitere Varianten.
- Liedbeispiele:
- „Auf einem Baum ein Kuckuck”
- „Jetzt fahr´n wir übern See”
- „Wenn du singst, sing nicht allein“
- „Wenn ich dir was wünschen dürfte”
- „Eine dicke Regenwolke“
- „Mein Hut, der hat drei Ecken“
- „Wenn du Lust hast, klatsche in die Hand“
- „Das Auto von Lucia“
- „Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt“
- „Drei Schweine saßen an der Leine“
- „Wenn der frische Herbstwind weht“
- „Ein Männlein steht im Walde“
- „Hallo, good morning“ – „Was müssen das für Bäume sein“ (Müller & Hellwig, 2023, S. 40-41
Kreistänze
- Materialien: Musik
- Spielidee: Die Erzieherin stellt einen einfachen Kreistanz zu entsprechender Musik vor. Charakteristische Teile werden mit der Klasse zusammen erkannt. Diese werden erst ohne, dann mit Musik in Bewegung umgesetzt.
- Zum Beispiel:
„Holzschuhtanz“, „Fußballhit“, „I´m singing in the rain“, „Havanagila“, vereinfachter Sirtaki, „Sonnenrap“, „Glühwürmchentanz“, „Cotton Eye Joe“ - Varianten:
- in Verbindung mit dem Musikunterricht
- Paarkreistänze
- Aufführungen zu einem Fest (Müller & Hellwig, 2023, S. 120-121)
Freies Bewegen nach Musik
Neben den bereits aufgeführten Formen der rhythmisch-musikalischen Bewegungsspiele sollten die Kinder auch im Rahmen der Auflockerung und Koordinationsschulung vielfältige Möglichkeiten zum freien Bewegen nach Musik erhalten, um spontan Bewegungen erfinden zu können. Diese Formen können auch bei Festen und Feiern eingesetzt werden.
Mein Lieblingslied
- Materialien: Lieder (von Kindern auf Tonträgern mitgebracht)
- Spielidee: Erst hören die Kinder sich ein Lied einmal an. Während weiterer Einspiele können sich alle nach eigenen Ideen entsprechend der Musik bewegen.
- Varianten:
- Rhythmusinstrumente einbeziehen
Tanz der Luftschlangen
- Materialien: Luftschlangen oder Krepp-Papier-Streifen
- Spielidee: Mit Luftschlangen bewegen sich die Kinder frei nach Musik und schwingen diese durch den Raum.
- Varianten:
- Geschenkbänder, Tücher oder Gymnastikbänder
Darstellendes Spiel
Scharade
- Spielidee: Scharaden als eine der ältesten Unterhaltungsform sind Rätsel, bei denen ein Wort in Silben oder Teile zerlegt wird. Beim Einsatz von Scharaden als Auflockerungsminuten sollte die Auflösung natürlich mit der Körpersprache dargestellt werden. Die Erzieherin oder ein Schüler schreibt das zu erratende Wort hinter die Tafel/auf ein Blatt Papier. Eine größere Gruppe von Kindern kommt nach vorn. Sie lesen das Wort und stellen es dar. Die anderen Kinder versuchen, das Rätsel zu lösen.
- Ideen für Scharade-Wörter:
- Springreiten
- Möbelauto
- Radrennen
- Strampelhose
- Sackhüpfen
- Bankräuber
- Autoreifen
- Kreissäge
- Packesel
- Froschkönig
- Schlafmütze
- Schneeball
- Weihnachtsmann
- Mountain-Bike
- Wellenreiten
- Autorennen
Wo sind wir gerade?
- Spielidee: Das Ziel dieses Spieles ist es, die dargestellte pantomimische Situation einer Gruppe zu erraten. Vorbereitend hat der Spielleiter einige Orte bzw. Situationen kurz beschrieben. Während ein Kind den Raum verlässt, wählen die restlichen Mitspieler eine Situation aus und überlegen, wie sie diese bei Beteiligung aller darstellen können, z. B. Straßenbahn, Schulklasse. Anschließend wird der vor der Tür wartende Spieler hereingeholt und soll die Situation erraten. Dabei darf die Pantomimen-Gruppe nicht sprechen und auf nichts zeigen.
- Variante:
- Zuschauer bei verschiedenen Sportarten darstellen (Tennis, Autorennen, Fußball u. a.)
Sprichwörter pantomimisch darstellen
- Spielidee: Sprichwörter oder Redensarten werden pantomimisch dargestellt. Den Aktiven muss Zeit zum Darstellen (ca. 10 Sekunden) gegeben werden, dann erst das Dargestellte raten.
- Beispiele:
- Wer sein Rad liebt, der schiebt.
- Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
- Lügen haben kurze Beine.
- Wer nicht hören will, muss fühlen. Jemandem schöne Augen machen/sein Herz ausschütten/auf den Arm nehmen/an der Nase herumführen
- Variante:
- bei passenden Inhalten paarweise
- Gefühle oder Befindlichkeiten pantomimisch darstellen,
- Beispiele:
Angst haben/sich vor etwas fürchten, zufrieden – unzufrieden, heiter – traurig, besonnen – hektisch, lieb – böse, gesund – krank, munter – müde
Literatur
- Müller, Chr. (2021). Bewegte Kita. Baden-Baden: Academia.
- Müller, Chr. (2022). Bewegte Grundschule. Anregungen für mehr Bewegung in der Grundschule (4. neu bearb. Aufl.). Baden-Baden: Academia.
- Fluegelman, A. & Tembeck, S. (1979). New Games – Die neuen Spiele. Mülheim: Verlag an der Ruhr.
- Müller, Chr. & Hellwig, N. (2023). Bewegtes Lernen in Musik. Klassen 1 bis 4. Baden-Baden: Academia.
- Petzold, R. (2008). Familiensportfest. Praxis Grundschule, 31 (1), S. 13 – 16.
- SMK (Sächsisches Staatsministerium für Kultur). (Hrsg.). (2014). Spiel & Spass. Eine Sammlung für die Hosentasche. Dresden: SMK. Zugriff am 25. April 2026 unter https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22796

