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Teilbereiche des bewegten Horts
Kontexte
Die Öffnung des Hortes für die Lernumgebung kann in zweifacher Hinsicht erfolgen: Der Hort öffnet selbst seine Türen für andere Kinder und Erwachsene aus dem Umfeld. Zum anderen überschreitet der Hort seine räumlichen Grenzen, geht als Institution nach außen und kooperiert mit Partnern. Diese Öffnung des Hortes ermöglicht:
- eine größere Vielfalt an Erfahrungen sowie neue Bewegungs- und Lernsituationen vor allem für die älteren Hortkinder
- die Präsentation der pädagogischen Arbeit des Hortes in der Öffentlichkeit
- ein sichtbares quantitatives und qualitatives Mehr an Bewegungsaktivitäten durch die Kooperation mit den Elternhäusern und entsprechenden Institutionen
Unter Kooperationen wird nachfolgend genauer eingegangen auf die Zusammenarbeit des Hortes mit den Familien, auf die Kooperation mit (bewegten) Grundschulen und auf die gesellschaftliche Integration, wobei der Schule ein eigener Abschnitt gewidmet ist.
Kontexte
| Nutzung von Bewegungsräumen außerhalb | Zusammenarbeit mit den Familien | Kooperation mit (bewegten) Schulen | Gesellschaftliche Integration |
Bewegungsideen
Nutzung von Bewegungsräumen außerhalb
Regelmäßige Spaziergänge gehören zum Alltag jeder Kita. Bewegungsräume und -anlässe sollten dabei bewusst wahrgenommen und gezielt aufgesucht werden – und das gilt natürlich besonders für Einrichtungen, die ein bewegungsorientiertes Konzept gestalten. Denn es bieten sich viele Möglichkeiten, Teilzielstellungen eines solchen Konzeptes anzuvisieren. Dabei ergeben sich häufig Verbindungen zu Teilbereichen einer bewegten Kita, z. B. bezogen auf Spielformen zur Auflockerung und besonders zur Koordinationsschulung, zu Entspannungsphasen, zu bewegten Lernsituationen in den Bildungsbereichen und zu den bereichsübergreifenden Bewegungsprojekten.
Für die aufgeführten Bewegungsmöglichkeiten in der Natur ist es sehr sinnvoll, wenn über Spaziergänge hinaus regelmäßige Waldtage (oder Tage im Park u. a.) durchgeführt werden. Die vorgeschlagenen Beispiele erfordern eine verantwortungsvolle und kritische Prüfung unter den jeweiligen konkreten Bedingungen. Die Sicherheit der Kinder, die Witterung und der Schutz der Umwelt stellen wesentliche Auswahlkriterien dar. Bei Ausflügen und Wanderungen Erstes-Hilfe-Material mitnehmen (s. aktuelle DGUV).
Die Natur erkunden und sich Kenntnis von etwas Unbekanntem verschaffen
- Naturmaterialien sammeln und damit Muster, Gesichter, Bilder, Mandalas legen oder Figuren (Waldgeist, Tiere o. Ä.) bauen
- Erscheinungen in der Natur in den unterschiedlichen Jahreszeiten beobachten und mit allen Sinnen erleben
- Sandburgen oder Schneefiguren bauen
- das Verhalten im Straßenverkehr üben, sich in der Stadt zurechtfinden
- sich im Gelände orientieren
- Figuren (Viereck, Kreis u. a.) in den Schnee treten bzw. mit einem Stöckchen in den Sand malen
- regelmäßige Formen (symmetrische) in der Natur finden
- Entfernungen mit Schritten messen
- Entfernungen schätzen, die in einer bestimmten Zeit zurückgelegt werden
- Alltagssituationen beobachten und später nachspielen
- Kleine Spiele anpassen
Zusammenarbeit mit den Familien
Schwerpunkte der Zusammenarbeit mit den Familien können im Austausch von Informationen, im Erleben gemeinsamer Bewegungsaktivitäten sowie in der gemeinsamen Gestaltung des bewegten Hortes liegen.
Familienwandertag
Ein Ausflug oder Wandertag dient der Kommunikation und kann helfen, dass die Kinder (vielleicht auch mancher Erwachsene) sich Bewegungsräume und -möglichkeiten erschließen können, die den zeitlichen und personellen Rahmen des Hortes überschreiten. Je nach den konkreten örtlichen Gegebenheiten wären folgende Ziele denkbar: Freibäder, Bauern- oder Handwerkerhof, Wildgehege, Klettergarten oder andere territoriale Wanderttraktionen. Der Wandertag könnte aufgelockert werden durch Spiele in der Natur und mit Naturmaterialien.
- Ideensplitter für Spiele in der Natur:
- Versteckspiele, Haschespiele, Ballspiele, kleine Staffeln
- Hinweis: Klare Vereinbarungen über Spielfeldgrenzen treffen, Schutz von Tieren und Pflanzen beachten!
- Ideensplitter für Spiele mit Naturmaterialien:
- mit Tannzapfen, Kastanien, Eicheln u. a. nach unterschiedlichen Zielen werfen
- Bewegungsparcours mit Unterstützung der Eltern absolvieren (Bäume umlaufen, durch Hindernisse kriechen, kleine Gräben überspringen, über Baumstämme balancieren, an Ästen sich hochziehen, hangeln, ein kleines Stück auf einen Baum klettern …)
- Laubhütte oder Schneehütte bauen
- weitere Beispiele bei Herbstsportfest
Regelmäßige Familientage
Beispiele für Themen und Inhalte der monatlichen Familientage. (Erfahrungen aus der Kindertagesstätte „Zwergenland“ in Dittmannsdorf)
| Herbstsportfest | Stationen mit Zapfenweitwurf, Kartoffelwettrennen, Kartoffelsack-hüpfen u. a. |
| Drachenfest | im zusätzlichen Garten der Kita die eigenen Ernteerträge ausstellen und kosten, anschließend die mitgebrachten Drachen steigen lassen |
| Martinsfest | mit Umzug |
| Rodelnachmittag | Eltern/Großeltern und Kinder rodeln gemeinsam! |
| Frühjahrsputz | Säubern des Kita-Geländes, Bau eines Weidentunnels, Tipis u. a. |
| Mutti-Vati-Tag | Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des Ortes gemeinsam erwandern, Spiel- und Sportfest im Gelände rund um die Kita, Schnipseljagd, Besuch eines Reiterhofes |
| Spiel – Sport – Spaß | Staffeln und andere Kleine Spiele |
| Spielmobil | (über Landessportbund) |
| Märchenaufführung | Eltern spielen für die Kinder (!), anschließend Kuchenbüfett und Erproben von Sport- und Spielgeräten |
Kooperation mit (bewegten) Schulen
Schulen und Horte sind Lebens- und Lernorte für Kinder. Auch wenn sich Ziele und Aufgaben sowie Bedingungen unterscheiden, stehen doch die gleichen Kinder im Mittelpunkt allen pädagogischen Bemühens. Deshalb sind Kooperationen unerlässlich. Soll mehr Bewegung in den Hort und die Schule gebracht werden, dann könnten folgende Ziele anvisiert werden:
- gemeinsame Gestaltung und Nutzung von Bewegungsräumen und Geräten
- Abstimmung von bewegten Bildungsprozessen
- Durchführung gemeinsamer Bewegungserlebnisse
- Ganztagesangebote für Bewegung, Spiel und Sport
Begrüßung der Neuen
Am Ende der ersten Schulwoche könnten sich über die Mittagszeit alle Schüler im Hortgelände treffen und die neuen Schüler der 1. Klasse begrüßen. Diese sollten an der Mütze, der Bekleidung oder an einem Luftballon ihren Vornamen tragen. Nach einem Begrüßungsspiel (z. B. bei Musikstopp Handklatsch mit einem Partner und seinen Namen nennen) bilden sich bei jedem neuen Schüler Kleingruppen, die dessen Namen übernehmen.
Die Gruppen wechseln von Station zu Station, an denen sich über das gesamte Gelände verteilt Spiel- und Sportgeräte aus der Schule und dem Hort befinden. Die Gruppen überlegen sich Bewegungsmöglichkeiten mit diesen Geräten. Die älteren Kinder können eine Art Patenfunktion übernehmen.
Zum Abschluss führen alle Kinder gemeinsam kleine Tanzspiele/Tanzlieder aus z. B. „1, 2, 3 im Sauseschritt“, „Wer rechts und links nicht unterscheiden kann“ u. a.
Sporttag durch das ganze Dorf
(nach einer Idee der Grundschule Mockrehna, in Dinter & Müller, 2020)
Als Schulsportfest laufen die Gruppen nach einem Wegeplan wie beim Orientierungslauf zu den einzelnen Stationen im Ort. Dafür werden gefahrlose Stellen ausgewählt. An den einzelnen Stationen (Betreuung und Wegbegleitung durch Erzieherinnen, Lehrerinnen, Eltern) gilt es sportliche Anforderungen zu erfüllen, z. B. Torwandschießen, Rollerrennen, Pedalostaffel, Gruppenschnelllauf, Balltransport, Risikowurf, Kriechtunnel, Zielwerfen u. a. Die Erfüllung wird auf dem Wegeplan vermerkt und ausgewertet. Ein abschließender gemeinsamer Lauf durch Teile des Dorfes (mit Luftballons) könnte den Sporttag beenden.
Gesellschaftliche Integration
Öffnung des Hortes
Der Hort könnte seine Türen öffnen und Bewegungs- und Spielaktivitäten für andere Kinder (und Erwachsene) anbieten, z. B. für die Freunde der Hortkinder oder für ehemalige Hortkinder. Als Tag der offenen Tür oder Hortfest sollten sich so Traditionen entwickeln, die in bestimmten Abständen oder zu festgelegten Terminen stattfinden und damit Interessierten bekannt sind.
Hortfest
Bei einem Hortfest (z. B. im September/Oktober) könnten gemeinsam mit Kindern, die den Hort im Sommer verlassen haben, viele kleine Spiele durchgeführt werden (z. B. Staffelspiele, Ballspiele, Freizeitspiele). Es sollte aber auch Zeit eingeplant werden, dass die ehemaligen Hortkinder (bei einem Becher Tee o. a.) kurz über ihre neue Schule erzählen.
Kontakte zu anderen pädagogischen Einrichtungen für Kinder
Regelmäßige Kontakte sollten zu anderen Kindertageseinrichtungen, besonders zu anderen (bewegten) Horten und Kindergärten, hergestellt werden, aber auch zu Freizeiteinrichtungen wie Jugendfreizeitheime, Freizeitzentren und -treffs
- Kopplung der Zusammenarbeit mit Vereinen u. a.
- Erfahrungsaustausch
- gemeinsame Spiel- und Sportveranstaltungen
Sportwettbewerbe der Horte
Die Kinder von räumlich naheliegenden Horten kennen sich teilweise aus der Freizeit bzw. durch sich ergänzende Ferienangebote, da Kinder während der Urlaubszeit des eigenen Hortes in eine Partnereinrichtung (Bedarfshort) gehen. Damit liegt es nahe, sich darüber hinaus auch einmal zu treffen und sportliche Wettbewerbe durchzuführen, z. B. ein Fußballturnier, Wettbewerbe im 2-Felder-Ball, Ball über die Schnur u. a. Die Wettbewerbe sollten nicht nur zwischen den Horten ausgetragen werden, sondern in gemischten Mannschaften auch miteinander.
Kooperation mit Sportvereinen
Durch die Kooperation mit Sportvereinen kann einerseits das Bewegungsangebot für die Hortkinder bereichert, andererseits können die Schüler an den Vereinssport herangeführt werden. Das wird dann erfolgreich sein, wenn die Vereine ihre Angebote auf das besondere Klientel von Grundschulkindern ausrichten. Ganztagsangebote bieten besondere Chancen. Eine Reihe von Horten (z. B. in der Stadt Leipzig) hat Kooperationsvereinbarungen mit Vereinen, z. B. zu folgenden konkreten Inhalten:
- Unterstützung durch den Verein bei Sportfesten, Projekten, der Feriengestaltung u. a. im Hort
- Nutzung der Sportstätten der Vereine bzw. von Sportgeräten durch den Hort
- Sportangebote der Vereine für Kinder im Grundschulalter
- zusätzlich Bewegungsangebote durch Vereinsübungsleiter in den Horten (u. a. als Ganztagsangebote) bzw. Durchführung von Angeboten in den Vereinsanlagen (bei Organisation des Transportes)
- Integration des Hortes ins Vereinsleben, z. B. durch Teilnahme an Sport- und Spielfesten
- Schnupper- oder Kursangebote, z. B. Schwimmlernkurse
- Vorstellen der Vereinsangebote im Hort, z. B. bei Elternveranstaltungen oder durch Flyer
Enge Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Kommune und Institutionen des Landes
Landes-, Kreis- und Stadtsportbünde, Schulverwaltungsamt (Abteilung Schülerfreizeit), öffentlicher Gesundheitsdienst/Gesundheitsamt, Vertreter der Gemeinden und Städte, Krankenkassen, Unfallkassen, Stiftungen, Sparkassen, Volkshochschulen, Musikschulen, Freiwillige Feuerwehr, ADAC, Deutsche Verkehrswacht, Familienbildungsstätten der Volkssolidarität, Einrichtungen für Senioren, Berufsfachschule für Physiotherapie u. a., private Initiatoren.
Literatur
- Müller, Chr. (2021). Bewegte Kita. Baden-Baden: Academia, S. 167-210.
- Müller, Chr. (2022). Bewegte Grundschule. Anregungen für mehr Bewegung in der Grundschule (4. neu bearb. Aufl.). Baden-Baden: Academia.

